Campusvampirismus

2018-2020

 

Erzählung

Charaktere

 

 

Kiki der lächelnde Engel

 

Was gafft ihr Esel denn so? Noch nie jemanden gesehen, der sich die Nägel
lackiert?

Jemaden schon, aber was Hunde
betrifft ist Kiki der erste in meinem Leben.

 

Goggly der Vampir

Goggly steht alleine mit E-Gitarre auf einer improvisierten Bühne. Er ist groß und schlaksig. Hat einen kleinen Kopf und ganz kleine dunkle Händchen mit langen, nach oben hin spitz
zulaufenden Fingernägeln. Seine Perücke mit langen schwarzen Locken trägt er auftoupiert und ihre Spitzen sind gebleicht, damit sich um den Kopf eine gekräuselte goldene Heiligenscheinkugel formiert. Wahrscheinlich soll das Haupt dadurch größer wirken.

Seine zerbrechlich dürren Stecknadelbeine sind in der weiten Jeans kaum auszumachen und sein Staksen von einem Bein auf das andere, während er an den Seiten zupft wirkt holzig und unsicher. Diese Gestalt sieht ganz schön schräg aus, und irgendwie nett. Ich nähere mich ihm zögerlich. Er sieht mich und legt sofort die Gitarre weg. Er springt mit Knaksen in den dabei wie mir scheint fast abbrechenden Kniekehlen von der Bühne und kommt auf mich zugelaufen. Der Junge biegt im schnellen Schritt die Beine, als wären es Stängel von Vogelscheuchen.

 

Petri De Houndt

Mit Mord und Totschlag kann ich ganz schlecht umgehen, deswegen habe ich mich nach draußen in den Campuspark begeben. Habe mich dort um die Campussäulen geschlungen und Kiki dabei beobachtet, wie er wedelnden Schwanzes einem Spitz nachstieg. Nicht einmal das vermochte, mich aufzumuntern. Ich rutschte ein paar Mal Kopf über von den Säulen, konnte mich aber selbst bei diesem mir so lieben Movement nicht entspannen und raufte mir die schönen Haare. Deswegen stehen die jetzt so zu Berge.

 

Swiner der übergewichtige Poledancer und Allesfresser

 

Swiner, du musst dich entscheiden. Den Rest deines Lebens kannst du nur einer dieser Tätigkeiten nachgehen, der anderen musst du für immer entsagen. Sex oder Essen? Würdest du das Essen streichen, so könntest du weiterleben, indem du künstlich ernährt wirst. Doch das  Geschmackserlebnis würde wegfallen. Welches der beiden würdest du also streichen?

Swiner ist amüsiert überrascht über diese Frage, er runzelt die Stirn und scheint darüber nachzudenken.

Nun ja, darauf habe ich nur eine Antwort: Ich würde Sex streichen, Sex während des Essens!

Laut lacht Swiner über seinen Scherz, mit einer so tief bebenden Stimme, dass es in den Campusgängen widerhallt und in meinen Ohren dröhnt.